Monday, 29 January 2007

Kilim und Perser kriegen Konkurrenz

Kilim und Perser - klar alles wunderschöne Teppiche aus dem Iran, Afghanistan und anderen Ländern aus dem Mittleren Osten. Aber schon was vom "Kandal" gehört? Wohl noch nicht, aber das könnte sich bald ändern... denn die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat vor kurzem in der Kandal-Region, nordwestlich von Phnom Penh, ein neues Entwicklungsprojekt gestartet.

Worum geht's?



Um diesen typischen kambodschanischen gewebten Teppich - auch "Kandal" genannt. In der Kandal-Region weben Frauen, getreu einer alten Tradition, diese farbenfrohen Teppiche. Für viele dieser Weberinnen und ihre Familien ist es die einzige Einnahmequelle.



Am Tag weben die Frauen im Durchschnitt drei solche Teppiche. Ihr Lohn dafür ist selten mehr als ein Dollar.

Mit dem "Kandal"-Projekt wollen die Experten der GTZ helfen, die Qualität dieser Teppiche und ihre Vermarktung - auch nach Europa - zu verbessern, und so die Einkommen der angesprochenen Familien anzuheben.

Anfang Januar ist die erste Phase der Projektes angelaufen: im Entwicklungsjargon heißt sie "Analyse der Wertschöpfungskette", das heißt die verschiedenen beteiligten Akteure werden von GTZ-Mitarbeitern interviewt.



So sollen Schwachstellen identifiziert werden, aber auch Potentiale. Die beteiligten Akteure sind in diesem Fall:

1. Die Bauern, die die Seggen produzieren aus denen die Teppiche gewebt werden



2. Die Frauen und Weberinnen



3. Die Händler, von denen die Frauen meist abhängig sind, denn diese stellen ihnen häufig die Seggen für die Produktion der Teppiche zu Verfügung und auch die Webkämme und anderen Geräte, die sie zum Weben benötigen. Auf die Preise haben die Frauen in den seltensten Fällen wirklichen Einfluss.



4. Die Verkäufer, die die Teppiche in größere Provinzstädte oder nach Phnom Penh auf den Markt bringen.



Ein wichtiges Anliegen des Projektes ist, die Weberinnen und Händler zu motivieren, sich in Genossenschaften zusammenzuschließen und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. Diese Phase jedoch, so schätzten die Mitarbeiter der GTZ, dürfte besonders schwer sein. Zu groß ist die Angst vor Kooperativen, zu stark die Skepsis gegenüber jeglicher Authorität. Zu tief sitzt das Misstrauen aus der Vergangenheit - besonders seit den dunklen Jahren der Khmer Rouge Terrorherrschaft.

Doch die GTZ ist zuversichtlich: das Projekt birgt großes Potential. Mit dem "Kandal" könnte der Durchbruch auf den internationalen Markt gelingen - und wer weiss, vielleicht gehört der "Kandal"-Teppich in Zukunft genauso in das Ikea-Repertoire wie der "Poäng"-Stuhl oder der "Pax"-Schrank...

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